Donnerstag, 21. Januar 2010

Sowieso und rundherum...

In Ermangelung eines Themas, das sich zur Behandlung wirklich aufdrängt, werde ich mich heute mal so ganz allgemein über Dinge äußern, die mir in letzte Zeit so aufgefallen oder zugestoßen sind. Zuerst möchte ich mit einer ganzen Reihe von Öffi-Erlebnissen aus Wien beginnen:

- Im 1A-Bus erlebe ich wie eine - in den obligatorischen Innerestadtpelzmantel gekleidete - ältere Dame eine Frau gleichen Alters, die sie wohl versehentlich angerempelt haben dürfte, mit der nasalen Arroganz einer waschechten Wienerin aus dem I. Bezirk, als "Trampel" beschimpft. (In besagter Buslinie durfte ich dann auch noch Hundstrümmerl auf einem Sitzplatz entdecken.)

- Tage später warte ich bei der Haltestelle Zieglergasse auf die U 3, als sich dort zwei alte Schachteln - beide ca. 80jährig, ebenfalls im (Kunst)pelzmantel - wie zwei wildgewordene Furien bekeifen und die eine die andre sogar mit voller Absicht von hinten schupft. Meiner Aufforderung zur Schlammschlacht wollen sie aber leider - vermutlich wegen verminderter Hörleistung - nicht nachkommen. Die Brutalisierung der Gesellschaft hat offensichtlich auch schon/wieder die Anschlussgeneration erreicht.

- U 3 Station Johnstraße: Ein völlig zugedröhnter Junkie textet einen Mitarbeiter der Wiener Linien mit irgendeiner Geschichte über Kleingeld zu, während dieser eigentlich nur versucht eine Stempelmaschine zu reparieren. In der U-Bahn setzt sich schließlich ein etwas seltsamer älterer Herr neben mich. Instinktiv halte ich den Atem an, er sieht nach Stinker aus. Als das menschliche Bedürfnis nach Respiration schließlich doch seinen Tribut einfordert, stelle ich fest, dass dieser komischerweise nicht nach der üblichen Urin-Schweiß-Mischung, sondern nach diesen gelb-rosa Drageegummibärchen riecht und frage mich, ob er damit irgendwelche Intentionen Kindern gegenüber verfolgt.

- Bei der U 2 Station Volkstheater spricht mich plötzlich ein etwas muskulöser kleiner Mann eindeutig ausländischer Herkunft an und fragt mich, ob ich Deutsch spreche. Während ich in beiden Augenwinkeln nach etwaigen Komplizen - die mich ausrauben sollen, während er mich in ein Gespräch verwickelt - Ausschau halte, sage ich vorsichtig ja. Nun will er wissen ob denn das der richtige Bahnsteig in Richtung Praterstern sei. Da mich meine Schwerhörigkeit nicht gerade empfänglich für ausländische Akzente macht - peinlich, die vielen Verständnisprobleme bei McDonald’s und Burgerking auf die Frage "Mit 'oße?" - muss ich noch einmal nachfragen, bis nicht verstehe und die Frage bejahe. Unauffällig greife ich dabei in meine Hosentaschen und kontrolliere die Anwesenheit von Handy und Geldtasche. Er bedankt sich, sagt er komme aus Russland und streckt mir die Hand entgegen. Noch ein schneller Blick zu beiden Seiten, ich reiche ihm die Hand - ich trage keine Armbanduhr - gebe ein halberstauntes "Oh!" von mir und entferne mich schnell mit einem Lächeln. Meine Aufmerksamkeit hat mich wahrscheinlich vor einem Raubüberfall bewahrt...

- In eine Straßenbahn der Linie 49 steigen ein paar Kinder/Möchtegernjugendliche mit Migrationshintergrund ein. Ein ca. 10jähriger mit Brille lässt halblaut Musik vom Handy laufen. Eine Dame um die 60 schnappt auffallend häufig nach Luft, dreht sich permanent um und fragt schließlich verbissen aber halblaut, ob er die Musik nicht ausschalten könne. Der Migrationshintergrundsmöchtegernjugendliche fragt mit "Wie bitte?" nach, aus irgendeinem Grund wiederholt die Frau ihre Forderung aber nicht. Als die Gruppe dann bei der nächsten Haltestelle aussteigt wird sie dafür umso deutlicher: "Na GOTT sein Dank! ÜBERHAUPT keine Erziehung!" sagt sie so laut, dass es auch ja die ganze Straßenbahn hört. Zivilcourage auf Wienerisch...

- U 3 Station Schweglerstraße: Eine Frau im elektrischen Rollstuhl will einsteigen und fragt ob ihr jemand helfen könne. Der Erste der hinausspringt ist ein Türke mittleren Alters, der die nicht gerade schlanke beräderte Dame unter ihrem Kommando "Hinten anheben!" schließlich mit mir in den Zug hievt. Ein Dankeschön ist nicht zu hören.


So, das wars dann mit den Geschichten aus den Wiener Verkehrsbetrieben, jetzt noch kurz zum politischen Zeitgeschehen, das uns in letzter Zeit leider nur fade Fetzen seiner Gesamtfratze zeigt und daher keinen ganzen Eintrag rechtfertigt:

- Die Welt ist erschüttert: Uwe Scheuch, der allseits bekannte und beliebte Charaktermensch aus Kärnten, soll korrupt sein! Wer das schon nach der medial untergegangenen Geschichte gedacht hat, nach der Scheuch sein Auto in Ungarn als gestohlen gemeldet, es aber gleichzeitigt nach Serbien verkauft haben soll, war schief gewickelt. Scheuch wird nicht nur Versicherungsbetrug vorgeworfen - einer seiner Mitarbeiter wurde in Ungarn wegen Beihilfe rechtskräftig verurteilt - sondern auch Amtsmissbrauch. Er soll einem russischen Geschäftsmann die Staatsbürgerschaft für eine Parteispende (Für welche Partei eigentlich?) versprochen haben. Unglaublich, ist doch gerade er, der Landwirt der Herzen, für seine gerade Linie in der Politik, seine Loyalität und bankwirtschaftliche Fachkenntnis bekannt! Hat Kärnten nun auch seine letzte Symbolfigur verloren? Fällt dort nun auch noch der Mond vom Himmel?
Glücklicherweise hat sich HC Strache gleich hinter Scheuch gestellt - in disen Kreisen ein gängiges Zuneigungsritual - und kann sich die gegen diesen erhobenen Vorwürfe nicht erklären. Das in rechten Kreisen so beliebte Wort Schmutzkübelkampagne - das immer dann eingesetzt wird, wenn ein Politiker dieses Lagers NS-Vergleiche anstellt, Polizisten anfährt, vor Gericht lügt oder beim Puffbesuch erwischt wird - ist natürlich auch schon gefallen. Ich bin bester Zuversicht, dass man Scheuch entweder nichts beweisen wird können, oder dass die Staatsanwaltschaft nach dem Strasser-Prinzip einfach den Akt vergisst.

- Die Lady von der Kiesgrube, die Fekter Mitzi, möchte gern in Süd-ost-süd-österreich ein Asylerstaufnahmezentrum mit Aufenthaltspflicht einrichten. Die Bevölkerung und die Landespolitik laufen Sturm, anders als in der Steiermark, wo aber auch nur ein Kompetenzzentrum für aufenthaltsbeendende Maßnahmen (ein besonders schöner Begriff, aus dem Amtsösterreichischen übersetzt heißt das Schubhaftzentrum) hinkommen soll. Großer Unterschied: In letzterem herrscht tatsächlich Aufenthaltspflicht, für ersteres wir das ein frommer Wunsch der Frau Innenministerin bleiben. Verwunderlich an der ganzen Sache ist eigentlich nur der Knieschuss für die burgenländische Landes-ÖVP. Wer stellt bitte ein Asylzentrum in ein Land, in dem sich die eigene Partei in absehbarer Zeit (März 2010) Wahlen stellen muss? Politischer Dilettantismus der Sonderklasse. Anstatt, dass man sich den langwierigen Rechtsstreit mit Kärnten liefert, in dem erst vor kurzem gewählt wurde, und das mittlerweile eh jeder hasst, blamiert die Innenministerin lieber ihre Parteikollegen im Burgenland. Der Schaden von SPÖ-Landeshauptmann Hans Nissel soll‘s nicht sein, er muss den Haufen nur bis März am Dampfen halten.

- Ach ja, Haiti gibt’s nicht mehr. Der bettelarme Staat in der Karibik, der bisher nur durch Diktaturen und Revolten aufgefallen war, wurde von einem Erdbeben quasi dem Boden gleich gemacht. Während auf facebook anscheinend jetzt jeden Tag Fünf-Minuten-Postingpausen stattfinden sollen und diverse Gruppen "Kerzen für die Opfer" anzünden, kämpft das Land um sein tägliches Überleben. Mit 100.000 Toten wird gerechnet, die Anteilnahme wird aber die Größenordnung wie beim Tsunamiunglück von 2003 nicht erreichen, zu wenige westliche Urlauber sind wohl umgekommen.
Zündet weiter fleißig Internetkerzen an, sobald Haiti wieder facebook-Zugang hat, wird es sich sicher für die Hilfe bedanken!



P.S.: Mich persönlich würde interessieren, wie ich zu der Ehre der vielen Besuche aus den USA komme. Mir wäre nicht bewusst, dass ich NSA oder CIA mit Stichworten wie "Weißes Haus", "Al Quaida" oder "Jetzt günstige Ferien im Jemen buchen!" angelockt hätte. Kann sich eine der US-IPs erbarmen und mich von meiner Paranoia erlösen?

Kommentare:

  1. Die amerikanischen Besucher sind wahrscheinlich so wie ich Auslandsoesterreicher, die 1. zu faul sind Umlaute einzusetzen und 2. dem erstklassig humoristischen Qualitaetssarkasmus dieses Blogs hemmungslos ergeben sind.

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  2. Ich hoff es doch, zumindest hat die CIA noch nicht bei mir angeklingelt. Und danke fürS Kompliment!

    P.S.: Umlaute werden ueberbewertet ;)

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